24. September 2017

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Zweiter Offener Brief an das Internationale Olympische Komitee – Herrn Dr. Thomas Bach, Präsident des IOC –

Thomas Bach © dapd
Sehr geehrter Herr Dr. Thomas Bach, da wir bis jetzt noch keine Antwort erhalten haben auf unseren „Offenen Brief“ vom 17.3. 2014 an das IOC zum Missbrauch der Pferde, fragen wir Sie: „Gibt es formale oder inhaltliche Gründe?“ Als ehemaliger Spitzensportler können Sie sicher diese Frage beantworten: „Wäre ein Sportler vorstellbar, der sich freiwillig eine […]

 

Sehr geehrter Herr Dr. Thomas Bach,

da wir bis jetzt noch keine Antwort erhalten haben auf unseren „Offenen Brief“ vom 17.3. 2014 an das IOC zum Missbrauch der Pferde, fragen wir Sie:

„Gibt es formale oder inhaltliche Gründe?“

Als ehemaliger Spitzensportler können Sie sicher diese Frage beantworten:

„Wäre ein Sportler vorstellbar, der sich freiwillig eine Eisenstange in den Mund schiebt, dabei die Zunge einquetscht und einen Sperrriemen über Nase und Kinn schnürt, der das Öffnen des Mundes behindert, unter dem Kinn vielleicht noch eine Kette mit Hebel, geeignet den Unterkiefer zangenartig zu quetschen, um dann Höchstleistungen zu erbringen?  Der zusätzliche Einsatz von Sporen und Peitsche als Bestrafung für Fehler, die dem Reiter anzulasten sind, ist Usus auf  Turnieren und Trainingsplätzen in der ganzen Welt. “

Durch die Rollkur bzw. Hyperflexion versucht man zusätzlich das Pferd in eine äußere Form zu zwingen, die nachweislich  zu schweren Schädigungen im Rücken führen kann.

Das geschieht auf dem Hintergrund, dass Pferde traditionsgemäß mit Eisen beschlagen werden, wodurch Schädigungen der Gelenke und Organe vorprogrammiert sind, wie man das heutzutage in der Veterinärmedizin weiß, und nur wenige Sportpferde werden annähernd artgerecht gehalten und das alles unter dem Motto: „Citius, altius, fortius“.

Tangiert diese unnötige Grausamkeit etwa nicht die ethischen Werte der Olympischen Idee, die Sie beim Papstbesuch angesprochen haben?

Eine Anlehnung gebisslos ist möglich, wo das Pferd „Feine Zügelhilfen“ bei gleicher Kraft schmerzfrei empfangen kann.

Warum wird diese Möglichkeit nicht erlaubt durch geeignete Regeln?

Ist das Pferd eine Maschine und der Weg über Schmerz der Profit versprechende?

Leider gibt es nur wenige Spitzenreiter, die mit „Feinen Zügelhilfen“ reiten, wenn es um Erfolg geht, obwohl sie es vielleicht könnten?!

Große Turniere,wie das Aachener Chio, wo Sie Ehrenvorsitzender sind, werden zu Schau- und Spektakelveranstaltungen.

Ist es das, was Sie wollen?

Nachdem die Haftpflichtversicherer auch gebisslos gerittene Pferde nicht ohne Grund versichern und  Prof. Cook und Dr. Strasser die negativen Auswirkungen von Eisen im Maul und an den Hufen ausführlich untersucht und dokumentiert haben, Herr Dr. Blobel als ehemaliger Mannschaftsarzt der FN und Dr. Heuschmann als ehemaliger Leiter der Veterinärabteilung der FN (Deutsche ReiterlicheVereinigung) das moderne Turnierreiten scharf kritisiert haben, letzterer trotzdem als „Nestbeschmutzer“ in der ganzen Welt  als Referent gefragt ist, sollte endlich ein Umdenken eingeleitet werden.

Die Reiter profitieren in hohem Maße von dem Können ihrer Pferde, die sie oft garnicht selbst ausgebildet haben (prominentes Beispiel: Totilas).

Ist dieses kleptoparasitäre Handeln mit dem olympischen Ideal der Chancengleichheit vereinbar? Sind die von den Pferden gestohlenen Leistungen vergleichbar mit den Leistungen der Athleten in den anderen olympischen Sportarten, die von Menschen aus eigener Kraft mit hohem Energieverbrauch erbracht werden?

Was spricht gegen einen Ethikausschuss, der diese Fragen diskutiert und versucht, den Widerspruch zwischen Ethischen Grundsätzen und Kommerzialisierung im Sport selbst zu lösen, bevor Politiker Gesetze erlassen müssen, wie die Schweiz begonnen hat.

Eine internationale Petition gegen die Rollkur hatte bereits  35.725 Unterzeichner am 16.06.14, eine nationale deutsche Petition an die FN zur Zulassung der Gebisslosen Zäumung vom Februar 2014 am 22.7. 14 bereits mehr als 3500.

Nicht vergleichbar mit dem Dopingmissbrauch scheint dieses Problem hier größtenteils lösbar zu sein durch zeitgemäße Regeländerungen.

Was macht es den Reitverbänden so schwer, mehr Offenheit im Sinne von liberaler Gesinnung in das Regelwerk zu bringen?

Fragen Sie Ihre Freunde im Reitsport und in der Politik, bevor Politiker mit Gesetzen in den Sport eingreifen, was Sie im Interesse Ihrer Autonomie sicher nicht wollen.

 

Mit sportlichem Gruß

Bernd Paschel

Ko-Author und Unterstützer: Prof. Dr. Robert Cook, Massachusetts

 

Kopie zur Kenntnisnahme an:

Sportbeauftragte der politischen Parteien im Deutschen Bundestag mit der Bitte um Unterstützung

 

 

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