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Pferdeflüsterer Uwe Weinzierl im Fernsehen oder „Das erst Mal tat’s noch weh“

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Freiheitsarbeit in der freien Natur ist die Königsdisziplin. BU: Bernd Paschel © 2012 Weinzierl, Foto: van Uden

Frankfurt am Main, Deutschland (Salon Philosophique). Der Pferdeflüsterer und -trainer Uwe Weinzierl hat seine Berufung gefunden und geschafft, wovon viele Horsemen träumen, eine Vorführung und sogar eine eigene fortlaufende Serie zu gestalten, die den Bekanntheitsgrad enorm steigert.

Schon im Mai 2016 wurde Uwe Weinzierl von Weltexpress interviewt. Als Schauspieler ist Uwe Weinzierl besonders prädestiniert für den Job. Schauspieler können sich bekanntlich emotional in unterschiedliche Rollen begeben, was immer hilfreich ist, wenn man den Pferden gegenüber authentisch begegnen will. Wie nach neueren Forschungen zu vermuten ist, besitzen Pferde eine hohe Fähigkeit von emotionaler Intelligenz, die sie sogar in die Lage versetzt zu erspüren, wann ihr Mensch schlecht gelaunt ist.

Wie viele schauspielerische Fähigkeiten braucht ein Pferdeflüsterer?

Auch Vaclav Vydra, der bekannte tschechische Filmschauspieler, der im August 2015 Weltexpress ein längeres Interview gab, sieht in den Rollenspielen ein zentrales Element seiner Beziehungsarbeit mit dem Pferd.

Wie gefährlich die Arbeit mit traumatisierten Pferden sein kann, die sich nicht an die Spielregeln halten, zeigt ein Youtube-Video mit Buck Brannaman, einem der bekanntesten Pferdetrainer in der USA, der auch Robert Redford in dem bekannten Film „Der Pferdeflüsterer“ instruierte.

Stark traumatisierten Pferden, mit denen die Besitzer nicht zurecht kommen, wird oft ein neurologischer Defekt zugeschrieben, der dann den Schlachter rechtfertigt, anstatt eigene menschliche neurotische Anteile zu reflektieren, die zu zwanghafter Dominanz  und sadistischen Bestrafungsritualen führen, welche oft einher gehen mit einem krankmachenden Schmusetier-Umgang.

Uwe Weinzierl im Fernsehen

Schon im Jahr 2002 brachte das RTL einen Beitrag über Pferdeflüsterer mit Uwe Weinzierl Danach blieb es viele Jahre ruhig, was die mediale Aufmerksamkeit betraf, anscheinend war die Zeit noch nicht reif. Am 12. August 2016 wurde schon einmal eine einstündige NDR-Doku “Der Mann, der die Pferde versteht”  gesendet.

Zitat Weinzierl: „Die Reaktionen auf den Beitrag waren unterschiedlich, und ich erlebte meinen ersten, veritablen Shitstorm, der mir damals doch ziemlich an die Nieren ging. Ihr alle kennt das Lied: “Das erste Mal tat’s noch weh….”

In der folgenden Serie ist zentral die Arbeit von Uwe mit einem schwer traumatisierten Pferd, eine Arbeit, die nicht nur äußerst gefährlich für den Menschen ist, sondern auch einen großen physischen Einsatz erfordert, wenn man dem Pferd in seiner Sprache begegnen will (siehe auch Video oben mit Buck Brannaman).

Teil 1: Die Zähmung

Teil 2: Die Neuen kommen

Teil 3: It´s Showtime

Es gibt kaum einen Horseman, welcher sich bereit erklären würde, öffentlich unter diesen Bedingungen zu arbeiten. Selbst Monthy Roberts hat bei Vorführungen eine Auswahl unter den Pferden getroffen, wobei schwer traumatisierte Pferde ausgesondert wurden.

Zusammenfassend arbeitet Uwe Weinzierl primär mit dem Mitteln des Join Up’s, das seit Monthy Roberts auch in Europa bekannt ist und der Theorie, die von Pat Parelli nach Europa gebracht wurde und mittlerweile in den meisten Ausbildungsgängen des Natural Horsemanship (NHS) die Basis der Kommunikation mit dem Pferd sind. Gegenseitiges Vertrauen und Respekt sind das Ziel, das in 7 Alphatierspielen erarbeitet wird. Diese Spiele leiten sich ab aus der Kommunikation, die Pferde untereinander pflegen mit dem Ergebnis, dass sich eine Rangordnung in der Herde ergibt. „Annäherung und Rückzug“ sowie die „4 Stufen der Bestimmtheit“ sind Mittel der Kommunikation, die Uwe Weinzierl in verschiedenen Varianten immer wieder praktiziert. Rangkämpfe in der Herde finden meist ohne Gewalt statt, wenn die Pferde in der Herde groß geworden sind und die Spielregeln kennen. Anders ist es bei Pferden, die isoliert wurden als Fohlen und/oder mit den Menschen schlechte Erfahrungen machen mussten in Form von physischer und psychischer Gewalt.

Es ist zu vermuten, dass das genannte Pferd ähnliches erlebt hat bei seinem Züchter, der das natürlich nicht zugeben kann und es als genetisch bedingt erklärt, wie das oft gemacht wird bei „hoch im Blut stehenden“ Turnierpferden. Dabei ist das Pferd nur ein Spiegel für die Behandlung, die es durch den Menschen erfahren hat. Das Schicksal des Pferdes wäre der Schlachter gewesen.

Für alle Skeptiker sei gesagt: „Uwe Weinzierl hat zumindest das Pferd vor diesem Schicksal bewahrt!“

Es gab auch nette Reacts im Fernsehen. Zitat Weinzierl: „Immer muss ich das nicht haben, aber hier war es ganz nett.“

Das Nordmagazin in Schwerin

Mein Nachmittag in Hamburg

Auf die drei Sendungen gab es natürlich nicht nur Kritik, im Gegenteil: „Viele Kund/innen freuten sich, dass ich es ins Fernsehen geschafft hatte, viele Pferdebesitzer/innen baten um Betreuung und Beratung, und natürlich stieg die Nachfrage nach meinem Unterricht enorm. Viele Menschen baten mich darum, ihre Pferde zu mir zu nehmen und natürlich gab es auch die, die uns schrieben, dass sie am liebsten alles stehen und liegen lassen würden, um zu uns in den Wald und zu den Pferden zu ziehen.“

Zitat von Horseman Bernd Hackl, der mit der Pferdetrainerin Sandra Schneider bei Vox unter dem Titel „Die Pferdeprofis“ auftritt: „Wir würden uns einfach positiv unserer Arbeit widmen, als negative Zeit zu investieren in Menschen, die nichts anderes vor haben, als zu meckern.“

Ihr werdet sie nicht belehren…jede Antwort gibt Material für das nächste Feuer.“

Mehr dazu unter in dem Beitrag Wohl und Wehe der Fernsehpopularität von Uwe Weinzierl.

Der Beitrag wurde erstveröffentlicht am 22. Juni 2018 bei Weltexpress