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„Der Schlüssel zum Pferd ist das Pferd“- Ein Film des Pferdemannes Peter Pfister kommt ins Kino

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Bernd Paschel im Gespräch mit Peter Pfister (PP) und Gerhard Klein von teamWERK.die Filmproduktion GmbH, Frankfurt/Main 2019, BU und © Bernd Paschel, Foto Bernd Holstiege

Frankfurt am Main, Deutschland (Salon Philosophique). Am 20. Mai 2019 kommt der Film „Peter Pfister- Der Pferdemann“ ins Kino, eine Produktion von „teamWERK. Die Filmproduktion GmbH“. Peter Pfister ist ein Pferdemann der „ersten Stunde“ und war 1976 Gründungsmitglied im Landesverband Hessen in der  Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. (VFD), die sich als Alternative zur FN (Reiterlichen Vereinigung Deutschlands) gegründet hatte, da sich viele Freizeitreiter in der FN nicht mehr zuhause fühlten. Als gelernter Krankenpfleger und Pflegedienstleiter bei der Diakonie arbeitete er in Teilzeit, bis er Anfang 2000 selbständiger Pferdetrainer und Kursleiter wurde. Es würde 3 DIN-A4 Seiten kosten, seine pferdebiograhische Vita darzustellen. Um diesen sympathischen Mann kennenzulernen, besucht man am besten Meggi’s Farm im idyllisch gelegenem hessischen Örtchen Eschenburg/Eibelshausen, nördlich von Haiger/Dillenburg, wo Peter Pfister mit drei Generationen seiner Familie den Reiterhof unterhält

Das Stuttgarter Filmteam um Monika Agler hat Peter Pfister  über 4 Jahre begleitet und ein bemerkenswertes Portrait von diesem außergewöhnlichen Horseman gezeichnet.

„Sein Bestreben nach einer harmonischen, niveauvollen und naturorientierten Partnerschaft ist stets oberstes Ziel. Immer auf der Suche nach mehr Qualität im Umgang mit Pferden, hat er im Laufe von Jahren festgestellt, dass Autorität, Vertrauen, System und Konsequenz die vier Säulen für seine erfolgreiche Pferdeausbildung sind.“ Wenn man diese Begriffe hört, könnte  ein etwas antiautoritär angehauchter Mensch erschrecken, aber in der Realität spielt PP nach Regeln, wie wir das im Sport kennen, nur dass hier die Regeln von den Pferden vorgegeben sind, die sich der Mensch erst durch Beobachtung und Erlernen aneignen muss. Der Film zeigt, dass Peter Pfister sich sehr sehr viel Zeit nimmt, mit Zuwendung und Geduld, sich empathisch in das Pferd hinein zu fühlen, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

Die Vertrauensbildung steht im Zentrum.

Diese erlangt er, indem er ihnen keine Schmerzen zufügt, Zwang und Druck möglichst vermeidet. Im Film wurde gezeigt, wie er die Pferde führte, mit beiden weit gebreiteten Armen, verlängert durch eine Reitgerte.  Seine Arbeitsweise bildet einen Gegensatz zu dem normalen Reitbetrieb und erinnert an eine gelungene menschliche Pädagogik, im Gegensatz zu einer schwarzen Pädagogik. wo mit Druck und Zwang gearbeitet wird. Seine Familie gibt ebenfalls ein harmonisches Bild ab.

Im Gespräch nach der Filmvorführung für Journalisten im Cinema-Kino FFM stimmte Peter Pfister uns zu, dass diese Säulen in vielen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens von Bedeutung sind. Der Film ist deshalb nicht nur für ReiterInnen interessant, sondern auch für Pädagogen, Führungskräfte und nicht zuletzt auch Politiker, die in den letzten Jahren einen zunehmenden Autoritäts- und Vertrauensverlust erleben.

Im Unterschied zu einigen anderen Horsemen des NHS (Natural Horsemenship) arbeitet PP häufig mit Leckerli als Belohnung. Das ist vielleicht nicht immer notwendig, wenn das Pferd unsere menschliche /Pferde-)Körpersprache versteht. Er macht aber nicht den Fehler, dass er versucht das Pferd mit Leckerli zu bestechen, wie man das häufig im traditionellen Reitbetrieb erlebt, wo das Pferd ein Leckerli genau im falschen Moment bekommt, wenn es randaliert, mit dem Ziel es willig zu stimmen, wie das bei der Erziehung von Menschen vielleicht funktioniert.

Das Leckerli beschleunigt sicher den Lernprozess und ist evtl. das Mittel der Wahl, wenn man bei Zirkuslektionen ein Verhalten beim Pferd erzeugen will, das in der Herde nicht vorkommt, zum Beispiel dass man sich auf das liegende Pferd setzt.

Nach dem sehr erfolgreichen Pferde-Spielfilm „Ostwind“, der besonders viele junge Mädchen begeistert hat, ist dies ein Dokumentarfilm für alle Altersklassen, nicht nur für Reiter.

Im Gespräch sagte uns auch PP, dass er die Vermenschlichung des Pferdes im Freizeitbereich für ein immer stärker werdendes Problem hält.

Einige Schlagworte lassen erahnen, was Peter Pfister uns zu sagen hat

  • „Der Schlüssel zum Pferd ist das Pferd.“
  • „Das Leben ist einfach zu kurz, als sich mit Dingen zu beschäftigen, die wir nicht können.“
  • „Prüfe alles und das Gute behalte.“
  • „Auch für Harmonie braucht es Regeln – was Menschen bei der Arbeit mit Pferden oft falsch machen.“
  • „Wer immer sich mit Pferden beschäftigt oder sich ein Pferd kaufen möchte, der sollte lernen zu leiten.“
  • „Eine gute Pferdeausbildung braucht ein festes Fundament.“
  • „A steht für Autorität – Die Spielregeln der Natur verstehen.“
  • „V steht für Vertrauen – Die Akzeptierte Abhängigkeit.“
  • „S steht für System – Automatismus als Sclüsselfaktor.“
  • „K steht für Konsequenz.“

Schlusswort

Am 22. April 2017 kam es bei einem Kurs über Zirkuslektionen auf einer Reitanlage in Leichlingen NRW zu einem tragischen Unglücksfall, bei der ein Pferd zu Tode kam. Das hat viel Aufsehen erregt, besonders in den sozialen Medien. Im Gespräch teilte uns Peter Pfister mit, dass ihn dieses Trauma sehr getroffen habe. Es ging um eine Methode mit Fußlonge zum Erlernen des Kompliments. Bei dieser Lektion soll das Pferd lernen, auf ein Signal hin eine Art Verbeugung zu machen, bei der es sich auf dem Karpalgelenk des einen Vorderbeines niederlässt, während das andere gestreckt bleibt. Dabei entzog sich das Pferd durch Steigen und fiel so unglücklich hin, dass es starb.

„Vor etwa 25 Jahren lernte er bei dem Zirkusausbilder Alfred Schauberger, wie man einem Pferd mit Hilfe einer sogenannten Fußlonge das Kompliment beibringt. Fast eben so lange habe er diese Methode bei tausenden von Pferden praktiziert, wobei bis dahin nie ein Pferd zu Schaden kam“.

PP gestand spontan zu, dass durch eine Fehleinschätzung seinerseits das Pferd zu Tode kam und bedauere es zutiefst. „Ich leide persönlich sehr darunter und möchte nie wieder so etwas erleben müssen.“

Mittlerweile hat Peter Pfister diese Methode aus seinem Programm genommen.

Weiterführende Informationen: https://www.peterpfister-schade.de/

Der Artikel wurde erstveröffentlicht bei weltexpress am 14.01.2019