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D’r Zoch kütt und der Kölsche Klüngel – „Fastelovend jemötlich, kölsch un middendrin”

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Die Mütze ist gefallen. © 2018, Foto: Bernd Paschel

Köln, Frankfurt am Main, Deutschland (Salon Philosophique). Der Kölner Klüngel ist in Köln nicht unbedingt ein negativer Begriff im Bewusstsein vieler „Kölner Ureinwohner“. Er sagt einfach nur aus, dass die Kölner eigene Regeln und Moralvorstellungen haben als Mitbürger anderswo. 

Den Kölner Karneval habe ich als junger Sportstudent von 1968 – 1972 erlebt, nachdem ich im Jahr zuvor als Polizeibeamter den Zug begleiten durfte.

Als christlich erzogener Jüngling ist mir in dem eigentlich prüden Köln aufgefallen, dass zwischen der Altweiberfastnacht am Donnerstag und Aschermittwoch in Köln alle bürgerlichen Normen außer Kraft gesetzt waren. Ich traf viele Mütter, die am Donnerstag ihre Familie verließen und nach einer Woche wieder nach Hause gingen, als ob nicht passiert wäre. Manche verrieten mir, dass dies in Köln als normal im Karneval gelte. Darüber habe ich mir damals keine Gedanken gemacht, ich war sowieso in jenen Jahren für die „freie Liebe“.

Erst später ist mir diese Doppelmoral bewusst geworden und ich denke, dass dieses Bewusstsein heute noch im „Kölner Klüngel“ verankert ist, vielleicht im Zeichen von HIV mit mehr Vorsicht verbunden.

Siehe auch: Erinnerung an einen Offenen Brief, gerichtet an den Innenminister von NRW

Wer die neuen Hits der Session lernen möchte, kann das bei der Loss-mer-singe-Kneipentour „Einsingen in den Karneval” tun. www.lossmersinge.de

Was sagt Wikipedia?

„Im Kölschen ist die Bedeutung von „Klüngel“ vielschichtiger als das, was davon in den allgemeinen deutschen Sprachgebrauch übernommen wurde. In seinem Wörterbuch Neuer kölnischer Sprachschatz schreibt der Sprachforscher Adam Wrede….:  Interessant ist insbesondere, dass eine ungenaue, nachlässig ausgeführte Arbeit als „klüngelich“ gilt, wie auch einige andere Wörter nicht nur einen liederlichen oder schlampigen Umgang mit den Regeln des Anstands, sondern auch der Sorgfalt beinhalten. Ein Klüngel ist auch einfach eine Gruppe miteinander verbundener Menschen, die nicht unbedingt Böses im Schilde führen müssen. Da „Klüngeleien“ jedoch regelmäßig keiner öffentlichen Kontrolle unterworfen sind, besteht stets das Risiko von unausgewogenen und nicht immer alle berechtigten Interessen berücksichtigenden Entscheidungsprozessen.“

Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt es: „Als Kölner Klüngel, Kölscher Klüngel (Kölsch: Kölsche Klüngel) oder einfach Klüngel wird in Köln – und im Fall der dritten, nicht lokalspezifischen Form mittlerweile auch darüber hinaus – ein System auf Gegenseitigkeit beruhender Hilfeleistungen und Gefälligkeiten bezeichnet. Das verdeckte Zusammenwirken in kaum kontrollierbaren nicht-öffentlichen Beziehungsgeflechten kann zur Vermischung von gesellschaftlichen, politischen und unternehmerischen Interessen führen und somit die Grenze zur Korruption leicht überschreiten. Im Alltagsgebrauch ist Klüngel im Kölner Raum allerdings auch positiv besetzt, im Sinne von „eine Hand wäscht die andere“ (lat. „manus manum lavat“), „Man kennt sich, man hilft sich“, „über Beziehungen verfügen“ oder Netzwerken bzw. „vernetzt sei….. Ein Beispiel für einen aufgeflogenen kriminellen Klüngel war der Skandal um den Neubau der Kölner Messegesellschaft (siehe auch Josef Esch), nicht allzu lange zurück liegt der Skandal um den Bau einer Müllverbrennungsanlage mitsamt der Kölner Spendenaffäre.

Die politischen Mehrheitsverhältnisse wurden durch Dankeschönspenden, Beraterverträgen und hochdotierte Posten manipuliert. Das Kölner Landgericht bezifferte den Schaden, der durch die Schmiergeldzahlungen um die Kölner Müllverbrennungsanlage entstanden ist, auf 20,4 Millionen Euro. Das Verfahren gegen den Müllunternehmer Hellmut Trienekens wurde 2005 gegen Zahlung von 5 Millionen Euro eingestellt. Esch versuchte, auf Kosten des angeschlagenen Konzerns Arcandor das „Geschäft seines Lebens“ zu machen. Arcandor (früher KarstadtQuelle AG) ging 2009 insolvent; Esch stürzte einige der reichsten Deutschen und die Privatbank Sal. Oppenheim in den finanziellen Ruin.

Auf niedrigerer Ebene geschieht der Klüngel weiterhin in den bürgerlichen Vereinen Kölns, so z. B. in den großen Karnevalsgesellschaften. Dort wird nicht nur der Karneval organisiert, sie sind auch ein wichtiges Forum für Kontakte und geschäftliche Beziehungen.“

Was sagt der Kölner Stadtrat?

Auf diesem Hintergrund sollte man auch den Beschluss des Kölner Stadtrates sehen, der sich mit seiner Mehrheit von CDU,SPD und FDP gegen das Verbot von Pferden im Karneval ausgesprochen hat.

Was sagt der Kölner Stadtanzeiger?

Dirk Riße teilt am 13.9.2018 mit: „Nach einer intensiven Aussprache und Anhörung von Experten stimmten CDU, SPD und FDP gegen das Verbot. Die Grünen forderten zwar kein komplettes Verbot von Pferden im Zug, plädierten in einem Änderungsantrag aber für ein Verbot von Kutschpferden, eine Reduzierung der Pferde um 50 Prozent und ein Alkoholverbot für Reiter. Der Antrag fand aber keine Mehrheit.“

Für Tierschützer ist das leider ein fauler Kompromissvorschlag, denn ein Alkoholverbot für Reiter, das es eh schon gibt, wäre schlimmer als Pferde ohne Reiter, obwohl der Zug sich angeblich nicht im Öffentlichen Straßenverkehr bewegt. sondern in einem kontrollierten Chaos.

Die Polizei- und Ordnungsbehörde jedoch sollte einen klaren Kopf haben!

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz hat am 11.12. 2019 „Leitlinien zum Umgang mit Pferden beim Einsatz in Karnevalsumzügen“ veröffentlicht. wo es sich auf das Merkblatt Nr. 147 der „Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V.“ stützt.

Es wird mal wieder deutlich, welche unheilvolle Rolle die TVT in diesem System hat. Die Veganer und Vegetarier sind da anscheinend in der Minderheit beim TVT, wenn es um Pferde geht.

Die beiden Aspekte Tierschutz und Öffentliche Sicherheit sind formal klar zu trennen. Für den Tierschutz sind die Veterinärämter zuständig, für die öffentliche Sicherheit die Polizei.
Die Dienstaufsicht liegt beim Polizeipräsidenten von Köln und diese kann nicht durch den Hinweis auf altes Brauchtum entkräftet werden.

Es gibt noch viele Hintertürchen!

1. Wenn wieder eine Kutsche durchgeht mit Verletzten, wird man die Anzahl der Kutschen weiter reduzieren, bevor sie ganz  rausgenommen werden.

2. Wenn ein Pferd mit Reiter durchgeht, wird die Schulung der Reiter intensiviert werden.

3. Wenn in den Reitercorps ein Pferd von hinten in den Galopp geht und mehrere Pferde aus der Abteilung mitgehen, wird die Anzahl der Pferde in den Reitercorps verringert usw..

Erst wenn mehrere Menschen sterben, werden die Pferde wahrscheinlich verboten, nicht wenn Pferde sterben.

Pferde sterben auch sonst öffentlich auf Reitveranstaltungen, besonders beim Pferderennen, wo das Sterben von Pferden nahezu alltäglich ist, ohne dass das Veterinäramt einschreitet.
Leider finden Tierschützer da sehr wenig Gehör, da anscheinend Reitverbände wie die Reiterliche Vereinigung (FN) und Vereine wie die TVT sehr machtbewusst ihre Politik unter dem Deckmantel des Tierschutzes durchsetzen, hier anscheinend in Absprache mit anderen Interessengruppen wie den Kölner Reitercorps.

Ein Video von Tierschützern  sollte zu Denken geben!

Am Schluss des Videos sieht man, was passieren kann, wenn eine Kutsche durchgeht. Die vier Schwerverletzten hatten noch Glück im Unglück. Eine gute Vorbereitung der Pferde, die vergleichbar ist mit der jahrelangen Ausbildung und Auslese, wie sie in der Reiterstaffel der Polizei praktiziert wird, kann das Risiko minimieren, aber ein einziger Knallkörper eines Verrückten kann dazu führen, ein Chaos zu erzeugen. Bei Pferden, die schon per se in einer extremen Anspannung sind, genügen zuweilen geringere Anlässe, dass das Pferd in seiner Not den Gehorsam verweigert und seinen natürlichen Instinkten vertraut. Das dürfte jedem Reiter aus eigener Erfahrung bekannt sein.

Die einzige Gewähr, die öffentliche Sicherheit angemessen zu gewährleisten ist, das Fluchttier Pferd aus dem Zug zu nehmen.

Anmerkung:

Der Beitrag wurde erstveröffentlicht am 16. Februar 2020 im WELTEXPRESS.